Der Pressebericht von Senioren und das Handy in der HNP vom 16.10.2009 CHRISTINE WEINSCHENK
Begegnungsstätte: Schüler lernen Senioren das kleine Einmaleins des Mobiltelefons
HERBRECHTINGEN. In der Begegnungsstätte steht derzeit der Umgang mit dem Handy auf dem Stundenplan. Drei
Schülerinnen der Bibrisschule zeigen Senioren, wie ein Mobiltelefon richtig bedient wird.
Die Leertaste liegt auf der Null, die Löschtaste meistens auf dem C. Zum Einschalten muss Grün, zum Ausschalten Rot
gedrückt werden. Wer mit Handy und Computer aufgewachsen ist, hat mit deren Bedienung meist wenig Schwierigkeiten.
Schwerer tun sich da oft Menschen älteren Semesters. Trotzdem bedeuten leichte Unsicherheiten in puncto Bedienung
nicht, dass sich Senioren nicht für moderne Technik interessieren. "Ich würde mein Handy nicht mehr hergeben", sagt Ruth
Rosskopf. "Wenn ich alleine mit dem Fahrrad im Wald unterwegs bin, fühle. ich mich mit dem Handy einfach sicherer." Die
rüstige Rentnerin ist 72 und äußerst rege - physisch wie psychisch. "Ich schwimme, bin in der Gymnastik und gehe kegeln.
Mein Sohn sagt immer, er will mir auch noch zeigen, wie man mit dem Computer umgeht, aber ich kann ja wirklich nicht
alles machen." Ruth Rosskopf ist - wie rund 35 weitere Senioren - in die Herbrechtinger Begegnungsstätte gekommen, um
die Funktionen ihres Mobiltelefons besser kennen zu lernen.
Viele der Anwesenden hatten ein Handy von ihren Kinder geschenkt bekommen, wussten aber nicht so recht, was man
damit alles anfangen kann. Im Kurs "Senioren und das Handy" sollen sie nun von echten Profis lernen: von Schülern. Zur
Verfügung gestellt hatten sich drei Mädchen aus der Bibrisschule: Hülya Cebeci, Romina Seifried und Sarah Zemmler.
Initiator des Projekts ist Heiner Schieszl. "Wir haben schon so viel für die jungen Leute getan, jetzt sollen die mal was für
uns machen und uns zeigen, wie das mit den Handys funktioniert" , sagt der Koordinator der Begegnungsstätte. Vor allem
die Menüführung sei für viele Senioren ein Problem und die Bedienungsanleitungen ließen oftmals Fragen offen. Aus
Angst, etwas falsch zu machen, beschäftigten sich viele ältere Handybesitzer daher nicht intensiv genug mit den Geräten
und legten sie schnell beiseite. Auch in der Begegnungsstätte sehen die Kursteilnehmer teils hoffnungsvoll, teils eher
zweifelnd auf die Mobiltelefone in ihren Händen. Helga Höfele ist 71 und hat bisher mit ihrem Handy "nur" telefoniert,
würde aber gerne auch die eine oder andere Kurznachricht (SMS) versenden. "Ich hab' daheim schon viele junge Leute
um mich, aber die haben ja keine Zeit" sagt die Rentnerin aus Giengen. Seit sechs Jahren hat sie ein Handy. "Ich brauch'
aber trotzdem noch Nachhilfe. Das SMS-Schreiben muss ich daheim noch mal üben." Die l2-jährige Hülya ermuntert die
Seniorin. "Das klappt schon!" Ihr ist die Situation nicht unbekannt. "Meiner Oma muss ich auch öfters helfen. Aber mir
macht das Spaß." Auch konkrete Havarie Meldungen sollen die drei Mädels für die Senioren beheben. "Bei mir erscheint
immer wieder das Wort Slim und ein Ausrufezeichen. Ich weiß nicht, was das heißt", sagt die 80-jährige Theresia
Großhable. Auch Helferin Romina ist ratlos. Was hat Frau Großhable denn bisher getan, damit das Wort verschwindet?
"Das Handy zugeklappt." Gut, wenn sonst nichts hilft, muss das auch in Zukunft die Geheimwaffe bleiben. Nicht nur die
Handhabung der Handys ist Bestandteil des Nachmittags. Auch durch den Tarifdschungel sollen die Senioren gelotst
werden. Gemeinsam werden Werbeprospekte samt dem Kleingedruckten analysiert. "Man muss Schnäppchenangebote
gut durchrechnen. Wo billig drauf steht, ist oft teuer drin", sagt Erich Liegl, Vorsitzender des Computer-Clubs der
Begegnungsstätte. Und eine weitere Warnung: "Vorsicht, wenn Sie im Menü auf Ihrem Handy eine Weltkugel sehen. Das
bedeutet, sie gehen ins Internet - und das kann teuer werden." Zu speziellen Seniorenhandys hat Liegl eine gespaltene
Meinung. Neben größeren Tasten und besser lesbaren Displays bieten diese oft eine einfachere Menüstruktur, laute
Klingeltöne und Notruftasten. "Mit diesen Riesentasten kann jeder Metzger so ein Handy bedienen", sagt Lieg!. "
Das ist gut gemeint, aber auch unhandlich. Das Handy kann nicht einfach in die Tasche gesteckt werden."
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